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Schottland

Landschaft und Klima

Im Gegensatz zu hiesigen Verhältnissen sind die schottischen Sommer eher kühl und die Winter mild. Insbesondere im Westen des Landes herrschen dank des Golfstromes fast mediterrane Temperaturen, die Palmen und allerlei subtropische Pflanzen gedeihen lassen. Atlantische Wolken lassen insbesondere im Norden und Westen viel Wasser auf das Land fallen (ca. 4.500 mm pro Jahr) und ein Teil dieser Wassermassen steigt als dichter Nebel empor, der oft ziemlich plötzlich auftaucht, aber ebenso schnell auch wieder verschwindet. Im Osten des Landes ist es nicht ganz so feucht, allerdings ist es hier auch kühler.

Die Landschaft ist sehr unterschiedlich. Während es im südlichen Schottland, den Lowlands, ziemlich flach und grün ist, ist es im Norden gebirgig und deswegen bezeichnet man diese Gegend als die Highlands. Die Highlands stellen für den Besucher den Inbegriff Schottlands dar. Die Berge sind jedoch nicht steil und schroff wie z.B. die Alpen, sondern es sind eher riesige Hügel. Berge ab 3.000 Fuß (etwa 900m) Höhe mit guten Auf- und Abstiegsmöglichkeiten nennt man "Munro" und es ist ein schottischer Volkssport, diese Munros zu "bezwingen" ;-). Es gibt so knapp unter 300 Munros in Schottland und wer sie alle bestiegen hat, darf sich "Munroist" nennen - eine Auszeichnung, die manchmal sogar Adelspädikate in den Schatten stellt.

Das ganze Land wird immer wieder von kleineren und größeren Flüssen und Seen durchzogen: Berge (Bens), Täler (Glens) und Seen (Lochs) geben dieser Landschaft ihr Gesicht. Auf den Bergspitzen sieht man auch im Sommer noch vereinzelt schneebedeckte Flächen. Das größte Binnengewässer in Schottland ist der bekannte Loch Lomond nordwestlich von Glasgow.

Vegetation und Tierwelt

Die heimische Pflanzenwelt ist in Schottland deutlich ärmer als auf den übrigen britischen Inseln. Etwa 1.000 verschiedene Arten teilen sich die ziemlich unterschiedlichen Lebensräume. Es wachsen unter anderem Farne, Beerensträucher, Ginster, Heidekraut und das Bild der höheren Bergregionen ist hauptsächlich von widerstandsfähigen und anspruchslosen Flechten und Moosen geprägt. In den Wäldern leuchten im Frühsommer massenweise Rhododendren in verschienenen Farben, die saure Torferde bietet ihm ideale Bedingungen. Während unserer Reise fielen mir insbesondere der flächendeckende Bewuchs von blauen Glockenblumen auf sowie Unmengen an wildwachsendem Bärlauch in den Wäldern der Grampian Mountains. Die Baumgrenze liegt auf Grund der scharfen und teilweise orkanartigen Windböen nur zwischen 200 und 600m über dem Meeresspiegel.

Die Tierwelt ähnelt in großen Teil der unsrigen, es gibt Rotwild (deers), Füchse, Marder, Hasen und Wildkaninchen sowie verschiedene Wildgeflügelarten wie Fasane, Enten und Moorhühner. In den Wäldern und Parks sieht man viele Eichhörnchen. Wenn ich das Straßenverkehrsaufkommen zu den totgefahrenen Tieren ins Verhältnis setze, muss Schottland sehr reich an Wildtieren, besonders Kaninchen, sein. An der Küste leben Robben und verschiedene Seevögel und manchmal kann man in den wärmeren Regionen im Westen auch Delphine und kleine Wale beobachten. Die Flüsse sind fischreich und wegen der Lachsvorkommen sind sie für Angler ein beliebtes Fangrevier. Für Ornithologen ist Schottland ein Paradies, es gibt an die 300 verschiedene Vogelarten, von denen viele auf dem Kontinent schon ausgestorben sind, z.B. der Eissturmvogel, der 100 Jahre alt werden kann, der ebenso wie der Papageientaucher an den westlichen Küsten und auf den Inseln lebt. Etliche Zugvögel - besonders Wildgänse - überwintern in den südlichen Gebieten Schottlands, bei nur ca. 15-20 Schneetagen im Jahr sind das ideale Bedingungen

Wirtschaft, Geld und Lebenshaltungskosten

Während vor Jahrzehnten noch Whisky und Landwirtschaft / Schafzucht die größten Wirtschaftsfaktoren waren, sind es heute hauptsächlich die Computerindustrie und der Tourismus. Schottland - und nicht etwa Irland - ist das Computerzentrum Europas und angelehnt an das amerikanische "Silicon Valley" spricht man in Schottland auch scherzhaft vom "Glen Valley". Hard- und Software machen mittlerweile etwa 40% des Exportvolumens aus.

Landwirtschaft ist für den Export unbedeutend, es wird hauptsächlich für den eigenen Bedarf produziert und diese Produkte werden auch gebietsnah verbraucht. In den Highlands ist Ackerbau nicht möglich und auch Tierproduktion nur bedingt möglich. Auf Grund der kargen Verhältnisse werden die genügsamen Schafe gehalten zur Produktion von Wolle und Fleisch. An den Küsten findet man viele Fischereibetriebe, die ca. 70% des heimischen Fischbedarfs decken.

Im Osten spielt die Förderung von Erdöl aus der Nordsee eine Rolle. Das Öl selber bringt zwar nicht das große Geld ins Land, aber die Sekundärindustrie wie der Bau von Förderanlagen und Schiffen schafft Arbeitsplätze und bringt somit Geld in die privaten und öffentlichen Haushalte.

Nennenswerte Mengen an Bodenschätze hat Schottland selbst nicht vorzuweisen, sofern man die Ölvorkommen in der Nordsee nicht dazurechnet.

Die Währung in Schottland ist das englische Pfund. Die Bank of Scotland hat jedoch das Recht, eigene Pfund-Banknoten zu drucken. Mit diesen schottischen Pfundnoten kann man in ganz Schottland bezahlen, jedoch nicht im übrigen Großbritannien. Dort werden schottische Pfundnoten aber in jeder Bank anstandslos umgetauscht in englische Pfund.
Der Wechselkurs liegt in etwa bei 1:1,5, d.h. für ein Pfund muss man 1,50 EUR bezahlen. Der Umtausch in Schottland ist günstiger, sofern man eine Summe ab etwa 300 EUR umtauscht, wegen der Gebühren. Die Kaufkraft entspricht nicht dem Wechselkurs, sondern eher 1:1.

Sprache

Schottlands Amtssprache ist englisch. Gesprochen wird ein wenig Dialekt, wenn man nur Oxford-Englisch im Ohr hat, muss man sich ein wenig "einhören", aber das klappt im Großen und Ganzen ganz gut.
Im Norden und Westen spricht man zusätzlich gälisch, das auch öffentlich anerkannt ist. Es gibt gälische Radiosender, Straßen- und Ortsschilder sind zweisprachig ausgezeichnet. Auch international ist das Gälische anerkannt, sogar das Computer-Betriebssystem "Windows" wird von Microsoft in gälischer Sprache angeboten.

Gälisch gehört wie Englisch zum germanischen Sprachstamm, aber mehr Gemeinsamkeiten gibt es nicht. Der Wortschatz ist relativ klein und bestimmte Umschreibungen gibt es nicht. So sagt man z.B. nicht "ich habe" sondern "ist bei mir". Gälisch ist sehr schwierig, ich glaube fast, es ist nur erlernbar, wenn man als Kind damit aufwächst. Dirk hat sich vor einiger Zeit in seinem Weblog etwas eingehender zur gälischen Sprache geäußert, wen es interessiert, der klicke bitte hier: Parkuhr Blog

Auto und Straßenverkehr

In Schottland herrscht, wie im übrigen Großbritannien auch, Linksverkehr. Die Autos haben das Lenkrad rechts, Schaltknüppel und Pedale sind wie in deutschen Autos angeordnet. Das "Umdenken" im Linksverkehr geht relativ schnell, aber ich hatte Probleme, die Abmessungen des Autos und die Breite der Straße auf der "falschen Seite" abzuschätzen. Ich fühlte mich unsicher wie ein Fahrschüler und daher war ich äußerst dankbar, dass Dirk das Lenkrad übernommen hat.

Die Straßen sind allgemein schmaler als bei uns und das Straßennetz ist entsprechend der Bevölkerungsdichte dünner als hier. Autobahnen und große Bundesstraßen sind gut ausgebaut. Kleinere Landstraßen sind oft einspurig (= single track roads) mit Ausweichbuchten auf beiden Seiten.
Auf den Straßen gelten Geschwindigkeitgrenzen, sie liegen für PKW bei 70mph (=112 km/h) auf Autobahnen und Fernstraßen mit zwei Spuren je Richtung, 60 mph (=96 km/h) auf einspurigen Landstraßen und 30mph (=48 km/h) in geschlossenen Ortschaften, jeweils ohne Hänger.
Auf den Autobahnen wird keine Maut erhoben. Es besteht Gurtpflicht und die Promillegrenze liegt bei 0,5.

Statt auf Kreuzungen trifft man häufig auf Kreisverkehre, selbst innerorts, wenn nur vier Sträßchen aufeinandertreffen. Wer im Kreis ist, hat Vorfahrt.
Die britische Höflichkeit ist sprichwörtlich - und auch im Straßenverkehr geht man sehr höflich und rücksichtsvoll miteinander um. Das Ausweichen auf den single tracks ist selbstverständlich, niemand "brettert" da einfach durch und zwingt nur die anderen in die Ausweichbuchten. Man bedankt sich per Handzeichen für das Ausweichen. Wer langsam fahren will/kann, fährt ab und zu mal auf eine Parkbucht oder einfach so an den Rand, um nachfolgende, schnellere Fahrzeuge überholen zu lassen. Auch ein Fahrfehler ist kein Grund, den Falschfahrer mit Hupkonzerten und "Vogel zeigen" auf seinen Fehler hinzuweisen, im Gegenteil - ein kurzes Hupen ist eine freundliche Geste, wenn man Nachfolgenden das Überholen ermöglicht.
Besonders in den Highlands muß man immer wieder auf frei herumlaufende Schafe achten. Kein Witz, die haben wir oft genug gesehen.

Essen und Trinken

Das schottische Frühstück ist, wie überall auf den britischen Inseln, sehr deftig und umfangreich (=full english breakfast). Begonnen wird mit den cerials, das ist klassischerweise Porridge aus Hafergrütze und Milch. Gerüchte, dass der schottische Porridge mit Knoblauch gegessen wird, fanden wir nicht bestätigt. Statt Porridge werden heutzutage jedoch meistens verschiedene Knusperflocken und Cornflakes gereicht. Nicht-Flockenesser wie ich greifen gern zu Grapefruit-Kompott, Erdbeeren oder Joghurt.
Dann folgt der herzhafte Hauptteil des Frühstücks: Spiegel- oder Rührei mit gebratenem Speck (eher Kasseler-Aufschnitt), gegrillter Tomate, gebratenen Champignons und ein bis zwei Würstchen, die zwar etwas fett waren, aber ich fand sie recht lecker. baked beans, also gebackene Bohnen in Tomatensoße, wurden uns nirgends serviert, das scheint im Gegensatz zum englischen Frühstück, hier nicht üblich zu sein.
Zum Schluss gibt es Toast mit marmelade und anderen Fruchtaufstrichen. Der englische Begriff marmelade steht übrigens ausschließlich für die typische, etwas bittere Orangenmarmelade! Alle anderen Marmeladen heißen jam.

Das Mittagessen (=Lunch) fällt nach so einem opulenten Frühstück etwas spärlicher aus, für uns und wahrscheinlich die meisten Schotten ist ein Sandwichpaket genug. Beliebt sind allerdings auch die ebenfalls in ganz Großbritannien verbreiteten Fish'n Chips: Eine riesige Portion frittierter Kartoffelspalten mit Schellfisch- oder Kabeljaufilet. Gewürzt wird das Ganze auf Wunsch mit Salz und Essig.
A propos Chips: So bezeichnet man wirklich nur diese groben Kartoffelspalten, die uns bekannten Fritten heißen French fries.
Wir sind nun beide keine knappen Esser, aber so eine Portion Fish'n Chips schafft man unmöglich alleine.

Die Sitte des five o'clock-tea wird in Schottland scheinbar nicht großartig gepflegt. Tee ist übrigens auch in Schottland das bevorzugte Getränk. Er schmeckte mir viel besser als zuhause. Den Kaffee kann man stehen lassen, da fällt mir nur das Sprichwort "Schuster, bleib bei deinen Leisten" ein.

Die zweite große Mahlzeit des Tages ist das Abendessen, das Dinner. Am ersten Abend haben wir, in Ermangelung weiterer Lokale, beim Inder gegessen. Indische Restaurants sind in ganz Großbritannien recht verbreitet, wohl ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit. Wir sind beide nicht empfindlich und fast allen kulinarischen Experimenten aufgeschlossen, aber dieses Essen war derart scharf, dass wir die halbe Nacht was davon hatten, die Eingeweide brannten wie Feuer ;-)
Die traditionelle schottische Küche ist einfach und deftig. Wesentliche Bestandteile sind Grünkohl, Steckrüben und Kartoffeln, Teiggerichte aus Hafermehl, Fisch, Schaf- und Rindfleisch. Eine typisch schottische Spezialität ist haggis, das mit neeps (eine Art Steckrübengemüse) und tatties (grob gestampfte Kartoffeln) serviert wird. Haggis besteht aus fein zerkleinerten Innereien des Schafs, vermischt mit Hafergrütze und Gewürzen. Früher füllte man die Fleischmasse in einen Schafsmagen, während heutzutage hauptsächlich Kunstdärme verwendet werden. Der Geschmack entspricht ein wenig einer deutschen Grützwurst, allerdings mit deutlichem Schaffleisch-Aroma. Uns hat der Haggis sehr gut geschmeckt und im Nachhinein war ich ein wenig ärgerlich, dass er in den Reiseführern schon im Vorwege etwas verunglimpft wird. Einen besonders guter Haggis wurde uns in einem Lokal in Fort William serviert: mit einer Whisky-Sahnesauce!.

Getrunken wird in Schottland, wie schon erwähnt, hauptsächlich Tee und ansonsten Cola, Wasser und Brause als Erfrischungsgetränke, wie hierzulande auch. In Schottland gibt es sehr leckere Biere: vom hellen, dem Pils nicht unähnlichen lager über kräftig-malzige Biere bis hin zu Sorten in Richtung klassisches Schwarzbier. Bier wird besonders in pubs getrunken, den typisch britischen Kneipen. Dort wird es aus meist prächtigen Zapfanlagen ins Glas befördert und ohne Schaumkrone serviert. Im Pub bestellt man ein halbes oder ein ganzes pint(=0,568l) Bier einer Sorte ("a pint of Ale, please"> direkt an der Theke und bezahlt auch gleich - ohne Trinkgeld zu geben.
Und dann ist da noch der Whisky - das "Wasser des Lebens". Er ist nicht nur ein wichtiger Exportartikel, die Schotten konsumieren ihre Produkte auch gern selbst. Es gibt ca. 130 Distilleries in Schottland, die kleinste ist Edradour bei Pitlochry. Diese haben wir auch besucht, denn hier wird noch "Handarbeit" geleistet und daher erfährt man hier sicher vieles über die Whisky-Herstellung, was sonst im Verborgenen bleibt: Die anderen, bekannten Destillerien wie Glenfiddich, Dalwhinnie, Laphroaig oder Tomatin sind zu Industriebetrieben mutiert.

Zum Whisky selbst ein kleiner Beitrag von Dirk:

Ähnlich wie die Skandinavier ihren Kümmelschnaps "Aquavit" nennen, hergeleitet von /aqua vitae/, dem Wasser des Lebens, geht auch das Wort "Whisky" auf die keltische Ursprache zurück. Im Gälischen heißt es "uisge beatha", gesprochen üschke bäha, das heißt "Wasser-Leben".
"uisge" allein heißt Wasser. Wenn jemand sagt: "Tha an t-uisge ann", gesprochen ha an tüschke aun, dann heißt es nicht etwa: "Da ist Whisky dran", sondern: "Es regnet", wörtlich: "Ist das Wasser bei".