Dank des Golfstromes verfügt Südengland über ein sehr
mildes Klima, so dass hier in einigen Gegenden sogar Palmen und Zitrusfrüchte
gedeihen. Mitunter hat man das Gefühl, sich in eher mediterranen Gefilden
zu befinden. Man nennt Südengland auch den "Garten Brittaniens".
Gestaunt habe ich während der Fahrt über die üppigen Rhododendren,
die überall wild wuchsen und die Wälder mit einen lilafarbenen
Saum versahen.
Ansonsten ist die Landschaft in Küstennähe schroff, zerklüftet,
aber immer sehr grün. Auf den weitläufigen Weideflächen trifft
man zumeist Schafherden an. Die einzelnen Wiesen sind mit langen Steinmauern
eingegrenzt, ein Schutz gegen Bodenerosion.
Ein nicht unbedeutender Zweig in der Agrarproduktion sind übrigens Erdbeeren - als ich das hörte, verstand ich, was die Beatles einst mit ihrem Lied Strawberry Fields forever meinten...
Die Wohnhäuser sind aus jenem grauen Stein gebaut, aus denen das Felsgestein besteht. Die Häuser sind, gemessen an deutsche Verhältnisse, sehr klein. Doch eines haben sie immer: ein kleines Gärtchen dabei. Typisch sind auch die beiden Schornsteine auf dem Dach, die sich immer auf der einen und der anderen Seite der Giebel befinden. Der desolate Zustand vieler Häuser geht auf die oft nicht sehr rosigen wirtschaftlichen Verhältnisse in den Privathaushalten zurück. England ist kein reiches Land und man hat Mühe, die Historischen Bauwerke und anderes Kulturgut zu pflegen und zu erhalten. Es gibt zwar die Nationale Treuhandgesellschaft für das englische Kulturerbe, The English Heritage, aber auch von da fließen die Gelder nicht so üppig, um alle Denkmäler gleichermaßen gut in Schuß zu halten.
Das Essen in England ist heutzutage besser als sein Ruf. Es hat sich viel getan in der englischen Kochkultur, sie bringt sogar engagierte Köche hervor: Jamie Oliver - wer hat diesen Namen nicht schon mal gehört. Traditionell war der Lebenstandard der Engländer immer sehr einfach, im Gegensatz zu anderen Ländern. Man wohnte in Landhäusern und nicht in prunkvollen Schlössern, entsprechend einfach waren auch Einrichtung, Kleidung und das Essen. Warm gegessen wird abends, das "Dinner". Mittags versorgt man sich mit Sandwiches oder einer Portion Fish 'n Chips. Mehr braucht es nicht sein, denn in England wird üppig gefrühstückt: Eier (als Rühr- oder Spiegelei), Speck, Bohnen, Würstchen, sowie Toast mit marmelade. Unerschütterliche lassen sich auch noch blackpudding
oder gebratene Nierchen schmecken.
Tee ist immer noch das beliebteste Getränk, aber Kaffee wird auch getrunken. Zelebriert wird vielerorts auch immer noch der five o'clock-tea. Zum Tee ißt man scones mit Erdbeermarmelade und clotted cream. In Schottland ist auch das shortbread verbreitet.
Ein "Must" als Tourist ist natürlich auch, mal einen Pub zu besuchen. In den Pub gingen die Männder früher nach der Arbeit, um sich beim Bier mit Freunden zu Treffen und Neuigkeiten auszutauschen. Frauen sah man damals nicht in Pubs, das gehörte sich nicht. Um 22.00 Uhr mußten die Pubs von Gesetztes wegen geschlossen werdem. Dieses Sperrstunden-Gesetz wurde erst vor ein paar Jahren aufgehoben.
Ein bekannts englisches Bier ist natürlich das ale, das entweder als
bitter ale (stark gehopft), das kräftige brown ale oder das milde pale
ale. Kenner schwören jedoch auf das real ale, ein Bier ganz ohne Kohlensäure,
bis zu 8o/oo stark und natürlich frisch aus dem Faß gezapft.
Dieses ale wird nur von kleineren örtlichen Brauereien hergestellt,
denn es ist nicht lange haltbar. Es kann durchaus sein, dass ein real ale
nur für einen einzigen bestimmten pub hergestellt wird.
Serviert wird aber auch häufig das helle lager, ein leichtes Bier,
oder das starke, dunkle stout. Letzteres ist eigentlich in Irland beheimatet,
während das lager am ehesten den kontinentalen Bieren entspricht.